Daimler Truck verkaufte im ersten Quartal 109.286 Lkw und Busse und damit fast 8 % mehr Fahrzeuge als vor einem Jahr. Auf der Pressekonferenz kündigte CEO Martin Daum angesichts der dicken Auftragsbücher für dieses Jahr zudem die größte Preiserhöhung aller Zeiten an. Finanzvorstand Jochen Goetz räumte ein, dass eine Erhöhung der Verkaufspreise um 5 % wahrscheinlich eine gute Schätzung sei. Trotz Preiserhöhungen storniert fast kein Kunde einen bestellten Lkw, weil er dringend benötigt wird, sagt Daum.
Obwohl der Weltmarktführer für schwere Lkw auch bei den angekündigten Fixkostensenkungen Fortschritte macht, warnte Goetz vor einem herausfordernden ersten Quartal beim Ergebnis. Einerseits ist die Bilanz durch eine einmalige Belastung von rund 200 Mio. Euro aufgrund der Unterbrechung der Aktivitäten in Russland belastet.
Andererseits sprach die Geschäftsleitung von einem regelrechten „Stotterbetrieb“ in Fabriken wegen fehlender Teile. Derzeit muss jeder Lkw in der Produktion zweimal angefasst werden. Dringend benötigte Teile werden teilweise per Helikopter transportiert. Zusammen mit steigenden Rohstoffpreisen führt dies zu steigenden Kosten.
Schließlich rechnet Daum nicht damit, dass die durch den Krieg in der Ukraine verursachten Probleme in der Lieferkette das Unternehmen erheblich beeinträchtigen werden, und die Situation um seltene Halbleiter sollte schrittweise entspannt werden.
Im März, rund einen Monat nach Kriegsausbruch, bestätigte das Management die Prognose, die eine Umsatzsteigerung von bis zu 19 Prozent auf 45,5 bis 47,5 Milliarden Euro vorsieht. Die um Sondereffekte bereinigte Marge für Zinsen und Steuern auf Kfz-Aktivität soll 7 bis 9 Prozent nach 6,1 Prozent im Vorjahr erreichen. Motor der Ertragsentwicklung ist das profitable Geschäft in Nordamerika.
Nach dem Scheitern der russischen Invasion in der Ukraine hat sich die im DAX notierte Aktie etwas erholt. Die Zeitung fiel im März auf 20.285 Euro. Mitte Januar stellte der Kurs mit 35.755 Euro einen bisherigen Rekord auf. Die Aktien starteten nach dem Split im Dezember bei 28 EUR.
30 Prozent der Anteile hält der ehemalige Mutterkonzern, der heute unter Mercedes-Benz firmiert. Weitere 5 Prozent werden von der Pensionskasse des Konzerns gehalten. Das Stuttgarter Unternehmen hat eine Haltefrist von drei Jahren festgelegt, kann Aktien aber bei Bedarf aus betriebswirtschaftlichen Gründen nach einem Jahr verkaufen. Weitere Großaktionäre sind der BAIC-Partner von Mercedes China (6,5 Prozent) und der Eigentümer und Gründer des chinesischen Autokonzerns Geely, Li Shufu (6,3 Prozent).
Die Marktbewertung von Daimler Truck liegt derzeit bei 22,3 Milliarden Euro. Das VW-Nutzfahrzeug, dem TRATON (MAN, Scania, Navistar) gehört, erreicht 8,2 Milliarden Euro. Mit dem amerikanischen Lkw-Hersteller Navistar erwarb TRATON den wichtigen US-Markt, wo Daimler Trucks laut Daimler mit einem Marktanteil von rund 40 % der wichtigste Platzhirsch bei schweren Lkw war. TRATON hingegen ist in Europa und Südamerika breiter aufgestellt.